29.11.2017 in Allgemein

Armut - eine stete politische Herausforderung einst und jetzt

 

SPD Waldenbuch am Volkstrauertag

 

Seit ihrer Gründung vor über 150 Jahren befasst sich die SPD mit der Armut. Trotz aller Erfolge in der Sozialpolitik gibt es auch heute noch in Deutschland Armut und Armutsgefährdung, und die Problematik hat nicht nur geschichtliche, sondern auch aktuelle Bezüge im lokalen Horizont, wie bei der jüngsten Veranstaltung am Volkstrauertag deutlich wurde. Gerade an diesem Tag, der einst dem überlebten Heldengedenken diente, ist nach Ansicht der Waldenbucher Genossen Armut einzubeziehen, denn unzählige Opfer von Kriegen und Gewalt leben und lebten in größter Not.

 

Mit Siegfried Schulz, Pfarrer und Studiendirektor i.R., und Thomas Stürmer, Pfarrer und Diplompsychologe beim Diakonischen Werk in Württemberg, hatten die Waldenbucher Sozialdemokraten fundierte Kenner der Materie als Referenten aufgeboten, die dem zahlreich erschienenen Publikum historische und gegenwärtige Einblicke in das Thema boten.

 

Gemäß den Ausführungen von Siegfried Schulz gehörte die Armut lange Zeit zu den Grunderfahrungen der Bewohner der kleinen Stadt am Schönbuchrand, von denen ein nicht geringer Teil auf das Betteln verwiesen war und diesem ein Leben lang nicht entrinnen konnte.

 

Siegfried Schulz: „Um die Mitte des 19.Jahrhunderts zählte man in Waldenbuch 100 arme Familien mit zusammen 362 Personen. Dazu kommen 30 Familien in Glashütte mit noch einmal 128 Personen, die unterstützungsbedürftig waren. Zusammen sind das 490 Personen bei einer Einwohnerzahl von etwa 1850. Rund ein Viertel bis ein Drittel aller Bürgerinnen und Bürger in Waldenbuch konnte wirtschaftlich nicht auf eigenen Füßen stehen.“ Unter ihnen arbeitsunfähige, alte, kranke Personen und eine große Anzahl von Kindern, zu deren aller Unterstützung die Gemeindekasse herhalten musste, in der meistens Ebbe war und deren Hüter zur Bewältigung der schreienden Not Phantasie brauchten.

 

So wird, wie der passionierte Heimatforscher Siegfried Schulz berichtete, 1843 zur allgemeinen Armutsbekämpfung eine „Industrieschule“ eingerichtet, die von 40 Mädchen besucht wird. Zweimal in der Woche treffen sich die Mädchen, um unter Anleitung einer Lehrerin zu stricken und Weißzeug zu nähen. Sie müssen selbst Werkzeug und Material mitbringen, dürfen aber auch die Erzeugnisse mit nach Hause nahmen. Der Stadt bleiben lediglich die Kosten für die Lehrerin und für das Heizmaterial im Winter.“ Oder: „Eine Baumschule wird angelegt, um den jungen Männern in Waldenbuch die Obstbaumzucht beizubringen. Auch dies ein langfristiges Projekt, das einmal die Stadtkasse schonen soll. Aber weil die Not und der Hunger schon da sind und weil Arbeitsbeschaffung immer besser ist als Almosen zu verteilen, wird eine Idee für ältere Bürger verwirklicht: „... (es) wird einzelnen armen Gemeindeangehörigen Gelegenheit verschafft durch Grabenziehen, Steinschlagen, Holzmachen Brot zu verdienen“.

 

Die bettelarme Gemeinde versuchte dennoch, den Zusammenhalt zu fördern, half mit „Tatkraft und viel gutem Willen. Siegfried Schulz: „Allen voran der Bürgermeister und die Gemeinderäte. Geld hatte man nicht. Geld musste – im äußersten Notfall -  aufgenommen werden und das war stets eine bittere Pille, weil Geldaufnahmen künftige Belastung bedeutete. Mit Brennholz, auch mal mit Bauholz aus dem stadteigenen Wald, war es einfacher. Das spürte man nicht so direkt in der Kasse. Dass die Waldenbucher Markung ihre eigenen Leute kaum ernährte, ließ den Blick und die Hoffnungen bis nach Amerika schweifen. Am Ende des 19. Jahrhunderts waren rund 270 Waldenbucher ausgewandert. Ein Aderlass sondergleichen.“

 

Die Zeiten und die Verhältnisse haben sich inzwischen auch in Waldenbuch zum Guten gewendet.

 

Der zweite Referent indes, Thomas Stürmer, wies in seinem Vortrag auf die Fortdauer des Problems hin. „Armut gibt es auch heute bei uns sehr wohl. Aktuell sind in Baden-Württemberg 15,4% der Menschen armutsgefährdet. Das ist ein knappes Sechstel der Bevölkerung. Was bemerkenswert ist: In den letzten Jahren ist diese Quote kontinuierlich angestiegen. Dies hat auch etwas mit den Flüchtlingen zu tun, die in unser Land gekommen sind und bei denen es seine Zeit braucht, bis sie arbeiten und sich ihren Lebensunterhalt selbst verdienen können.“ Einige Gruppen unserer Gesellschaft seien prinzipiell arm. Dies gelte z.B. für Menschen, die Hartz IV/Arbeitslosengeld 2 bezögen.

 

„Und es gibt“, so Thomas Stürmer, „einige Indikatoren, die darauf hindeuten, dass die Zahl derer, die arm oder armutsgefährdet ist, wächst und dass sich ein Spalt in unserer Gesellschaft öffnet.“ Stürmer bot eindringliche Beispiele aus seiner beruflichen Praxis und zeigte anhand von Zahlen auf, dass sich ein Leben am Minimum nicht nur auf die finanzielle Seite beschränkt.  „Es geht nicht nur um Geld, sondern insgesamt um materielle, kulturelle und soziale Mittel. Die betroffenen Menschen fühlen sich oft abgehängt. Und oftmals sind sie es auch. Es ist beunruhigend zu wissen, dass es einen Zusammenhang zwischen Lebenserwartung und Einkommen gibt. Wenn wir das reichste und das ärmste Viertel der Bevölkerung vergleichen, leben arme Frauen acht Jahre, arme Männer im Durchschnitt 11 Jahre kürzer. 31 % der von Armut betroffenen Männer erreicht das 65.Lebensjahr nicht.“ Und Thomas Stürmer sieht hier die Politik auch grundsätzlich gefordert, denn eine Folge von Armutsbedingungen ist: „Viele Arbeitslose sind zwar politisch interessiert, kehren aber der Demokratie den Rücken.“

 

Ortsvereinsvorsitzender Manfred Ruckh, als Kreisrat und aufgrund persönlichen Engagements mit dem Thema vertraut, dankte in seinem Schlusswort den beiden Referenten für die vielfältigen Denkanstöße, die ihre Ausführungen auch für das lokale politische Handeln brachten und versicherte, dass die Sozialdemokratie im vergleichsweise gut situierten Waldenbuch „Armut“ in all ihren Facetten auch weiterhin in ihre tägliche politische Arbeit einbeziehen werde.

 

Harald Jordan

 

01.10.2017 in Veranstaltungen

SPD-Mitgliederversammlung: Ja zur Oppositionsrolle

 

Eine starke Zahl von Mitgliedern der SPD Waldenbuch trat am vergangenen Mittwochabend den Weg zum Sonnenhof an, um sich in einer Wahlnachlese mit den Ergebnissen der Bundestagswahl zu befassen. Ortsvereinsvorsitzender Manfred Ruckh dankte bei der Begrüßung  allen Helfern, die sich während des Wahlkampfs engagiert eingebracht haben beim Plakatieren, an den Info-Ständen, beim Verteilen von Informationsmaterial und bei Hausbesuchen mit dem Wahlkreiskandidaten. 

Manfred Ruckh selbst war mit Nils Schmid in Waldenbuch unterwegs und konnte dabei erleben, dass der ehemalige Landesvorsitzende und Wirtschafts- und Finanzminister Baden-Württembergs im direkten Gespräch bei den Waldenbuchern sehr gut ankam. „Aufgrund der guten Platzierung auf der Landesliste haben wir in der Nachfolge von Rainer Arnold, der immer wieder gerne die äußerste westliche Ecke des Wahlkreises Nürtingen besucht hat, auch künftig einen Abgeordneten, der mit seiner Erfahrung in verantwortungsvollen Ämtern und seinem politischen Horizont beste demokratische Politik garantiert“, so Ruckh.

Bei den Mitgliedern war das Bedürfnis groß, ihre bundespolitischen Eindrücke zu artikulieren. Dabei befassten sie sich mit der künftigen grundsätzlichen und personellen Ausrichtung der Partei im Bund. Den Schritt in die Opposition hält die Waldenbucher SPD für die richtige Entscheidung, da die sehr gute Regierungsarbeit der sozialdemokratischen Minister in der großen Koalition nicht den verdienten Nachhall erhalten hat und herbe Verluste eingefahren wurden. Auch die Entscheidung für Andrea Nahles bei der Wahl des Fraktionsvorsitzenden trifft die völlige Zustimmung der Waldenbucher SPD. „Wir waren stets Programmpartei und Gegner von allem Populismus und müssen uns mit diesem Selbstverständnis neu orientieren und neu aufstellen im Bund“, so der Tenor der Versammlung. 

Die SPD Waldenbuch, die am Ort die politische Gruppierung mit der ältesten Tradition ist, hat in über hundert Jahren schon einige Rückschläge hinnehmen müssen, aus denen man immer wieder die überlebenswichtigen zukunftsorientierten Konsequenzen gezogen hat. Sonst wäre diese Tradition nicht möglich gewesen. Man wird auch am Ort über Erneuerungnachdenken und zugleich an die eigene geschichtliche Rolle erinnern. 

Zunächst am 13.Oktober, bei „70 Jahre Wiedergründung der SPD Waldenbuch“ im Haus der Begegnung, wo die Landesvorsitzende Leni Breymaier sprechen wird. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Man darf auch darauf gespannt sein, welches Jubiläumsgeschenk sich der Ortsverein selbst gemacht hat.

 

Harald Jordan

 

24.07.2017 in Ortsverein

Nils Schmid kommt nach Waldenbuch

 

Nils Schmid kommt nach Waldenbuch

26. Juli 19.30 Uhr:

Der SPD-Bundestagskandidat für den Wahlkreis Nürtingen, Nils Schmid, kommt am Mittwoch, 26. Juli 2017, nach Waldenbuch. Der frühere baden-württembergische Wirtschafts- und Finanzminister gilt als versierter Kenner ökonomischer Zusammenhänge und will seine Kompetenz künftig in die politische Arbeit im Bundestag in Berlin einbringen.Nils Schmid stellt sich als Kandidat vor und skizziert seine politischen Schwerpunkte. Die SPD Waldenbuch lädt hierzu herzlich ein. Die Veranstaltung mit dem ehemaligen SPD-Landesvorsitzenden findet im Sonnenhof statt und beginnt um 19.30 Uhr.

 

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