Zusammen nach Heidelberg.

Veröffentlicht am 16.10.2012 in Allgemein

Am 3 Oktober sind wir gemeinsam nach Heidelberg gereist.
Genosse Jordan hat für uns den Tag wörtlich toll zusammengefasst.
Danke Harald.

Am Tag der Einheit, 3.10.12:
SPD Waldenbuch in Heidelberg

„Gemeinsam etwas unternehmen, Miteinander ins Gespräch kommen, Neues sehen, Geschichte verstehen“ – war das Motto von Stadtrat Ulrich Doster, der den Ausflug der SPD Waldenbuch zur Reichspräsident Friedrich-Ebert-Gedenkstätte in Heidelberg am Tag der Einheit mit souveräner Regie auf den Weg brachte. Der Tagesausflug galt der „Reichspräsident Friedrich-Ebert-Gedenkstätte“, die als Stiftung des Bundes das Andenken des SPD-Politikers pflegt und sei Wirken als Politiker und Staatsmann würdigt.

Friedrich Ebert lebensnah
Es war eine stattliche Gruppe, die den Nationalfeiertag nutzte, um sich in die Geschichte der deutschen Demokratie zu vertiefen. Die Heidelberger Altstadt, die sich auch an diesem Tag fest in der Hand von Touristen aus aller Welt befand und bei Sonnenschein in ihrer ganzen Schönheit präsentierte, beherbergt mit der Gedenkstätte ein Kleinod deutscher und baden-württembergischer Geschichte. Sie ist untergebracht in der ehemaligen Wohnung der Familie Ebert und in angrenzenden Räumen im Geviert von Pfaffengasse und Unterer Straße. In mehreren Jahrzehnten ist sie von bescheidenen Anfängen zu einer renommierten Institution gereift, die Eberts Leben in der Perspektive „Friedrich Ebert – sein Leben, sein Werk, seine Zeit“ nachzeichnet und mit Text, Bild, Film und historischen Exponaten eine fundierte Vorstellung von den gesellschaftlichen Verhältnissen dieser Jahrzehnte und der Person des ersten Reichspräsidenten vermittelt.
Ausgehend von der Zeit um die Reichgründung, Ebert war Jahrgang 1871, über die Wanderzeit des Sattlergesellen, die ihn schließlich nach Bremen führte, wo Ebert sechs Jahre lang eine florierende Gaststätte betrieb, die neben dem Kulinarischen auch unentgeltliche Beratung des Wirts in allen Fragen des Arbeiterschaft bot. Ebert galt nach einigen Jahren als der „eifrigste sozialdemokratische Werber am Ort“ , seine “Restauration und Bierhalle“ wurde zum Versammlungsort der Arbeiterbewegung. In Bremen wurde Ebert, der nach Notizen der Polizei ein besonderes Talent für politische Agitation besaß, Arbeitersekretär und schaffte den Sprung in die Bremer Bürgerschaft, wo er sich als Anwalt der kleinen Leute profilierte. In seine Bremer Zeit fällt auch sein Aufstieg in die Führungsriege der deutschen Sozialdemokratie, was ihn 1905 nach Berlin brachte. Ebert war von 1905 bis 1913 Mitglied des Parteivorstandes und von 1913 bis 1919 Parteivorsitzender der SPD. Im Februar 1919 wurde Ebert erster Reichspräsident. Hinter ihm lagen Jahre heftigster parteiinterner Konflikte, u.a. mit der Spaltung der SPD, und äußerer Gefährdungen: Krieg, Abdankung des Kaisers und brüchiger innerer Friede, Übernahme von Verantwortung und die Last der Folgen des Friedenvertrages.
Die Jahre als Reichspräsident brachten Höhen und Tiefen, repräsentativen Glanz, neue Möglichkeiten für Kunst und Kultur, internationales Ansehen deutscher Technik. Ebert trat als Förderer vieler Bereiche in Erscheinung. Daneben aber auch die Ablehnung der jungen Republik seitens einflussreicher rechter Kreise und 1923 die Besetzung des Ruhrgebiets durch französische und belgische Truppen und die Hyperinflation. Ebert geriet zudem ins Visier herabsetzender Karikaturisten und sah sich aufgrund seines Verhaltens unmittelbar nach dem Kriege dem – politisch unhaltbaren - Vorwurf des Landesverrats ausgesetzt, der ihn in Kräfte raubende Prozesse verstrickte. Die Folgen einer deshalb verschleppten Blinddarmentzündung führte zu seinem allzu frühen Tod am 28.Februar 1925. Ebert wurde in seiner Heimatstadt Heidelberg unter großer öffentlicher Anteilnahme beigesetzt.
Die Waldenbucher Ausflügler waren beeindruckt von der Fülle an Dokumenten und anderen Materialien, mit denen sie bei der spannenden Führung konfrontiert und angeregt wurden, sich mit diesem Politikerleben tiefer zu befassen. Ganz im Sinne von Bundespräsidnet Johanns Rau, der als Vorsitzender des Kuratoriums der Gedenkstätte vor Jahren sagte: „Ebert hat ein großes, aber leidvolles Leben gelebt. Dies gilt es darzustellen, nicht als Heldenverehrung, sondern um Geschichte begreifbar zu machen.“

Am Tag der Einheit, 3.10.12:
SPD Waldenbuch in Heidelberg
Persönliche Prägung (2)
Das Begreifbarmachen bezieht sich auch auf die von Rau angedeutete leidvolle Seite von Eberts Leben. Diese bezieht sich nicht nur auf die Politik mit ihrer Unmenge schwieriger Lagen, auch auf den privaten Bereich: von den vier Söhnen fielen inmitten schwerster politischer Bedrängnisse zwei im Kriegsjahr 1917.
Die Lebenswelt, in die Friedrich Ebert in Heidelberg hineingeboren wurde, ist in der Gedenkstätte ebenfalls plastisch dargestellt. Die Wohnverhältnisse waren beengend. Die Eberts hatten für sieben Personen zwei Räume und eine Küche, wobei im Wohnzimmer noch die Schneiderwerkstatt des Vaters eingerichtet war, wo neben Ebert Senior noch Gesellen arbeiteten. Sanitäre Anlagen gab es in der Wohnung nicht. Wasseranschluss war damals in der Heidelberger Altstadt noch unüblich. Das Wasser wurde an einem Brunnen geholt, den man sich mit anderen Bewohnern teilte. Die Notdurft wurde in einem Behälter im Hof entsorgt. Vom Hof her war auch der Zugang zur Wohnung über eine an der Außenwand angebrachte Stiege. Dabei war Eberts Vater nach seinem Einkommen nicht als Arbeiter, sondern eher als kleinbürgerlicher Handwerker angesehen und auf der sozialen Leiter eher in der unteren Mitte als am Ende verortet.
Ein Doktorand schrieb 1925 über diese Wohnverhältnisse in der Universitätsstadt: „Die Zimmer sind ungenügend belichtet, die Sonne hat nirgends Zutritt. Eine verbrauchte, muffige Luft herrschte überall ... Den Menschen, die dort wohnen, fehlen die drei wichtigsten Bedingungen der körperlichen Gesundheit und des seelischen Gleichgewichts: Luft, Licht und Sonne. Kein Wunder, dass hier von der Arbeitsfreude, Lebenskraft und dem sittlichen Verantwortlichkeitsgefühl nichts zu spüren ist...“
Kein Wunder auch, wenn Friedrich Ebert in diesem Umfeld der Schule eher mäßige Leistungen zeigte und den Tag lieber bei einem Nachbarn denn zu Hause verbrachte. Es ist diese Herkunft und diese persönliche Erfahrung, die Friedrich Ebert prägten, sich in der politischen Arbeit mit großem persönlichen Einsatz zur Beseitigung der Verhältnisse sozialer Not und der Besserung der Lage der unteren Schichten einzusetzen.
Der unmittelbare Eindruck von den bedrückenden Lebensumständen verfehlte seine Wirkung nicht. So war es gut, dass anschließend noch andere Heidelberger Sehenswürdigkeiten wie das Schloss und die Heiliggeistkirche Zielpunkte der Waldenbucher SPD waren und inmitten von „Luft, Licht und Sonne“ dem Ausflug eine entspannte und kommunikative Note gaben, die ergänzt durch das gelassene, tragende Dahingleiten auf der Autobahn – Thumm sei Dank! - bis zum Eintreffen anhielt.
Fazit des Ortsvereinsvorsitzenden Manfred Ruckh: „ Diese Unternehmung passte zum Tag der Einheit, brachte uns neue Eindrücke und gemeinschaftliche und politische Akzente, die schon jetzt an eine Neuauflage im nächste Jahr denken lassen. Ein schöner Tag für die Waldenbucher SPD.“
Harald Jordan

 
 

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